Gedanken zur Woche

Kennen Sie das wunderbare Gebet eines ungeduldigen Menschen? „Lieber Gott, schenke mir Geduld, aber bitte flott!“

Was erst einmal mit einem Augenzwinkern daherkommt, gewinnt in diesen Tagen an Tiefe. Es ist nicht leicht, geduldig zu sein, wenn einem so sehr die klare Perspektive fehlt. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht und die Unsicherheit beschwert unser alltägliches Leben. Wer wird da nicht ab und an ungeduldig werden und ein Stoßgebet gen Himmel schicken: „Lieber Gott, kann nicht endlich wieder alles normal werden?“

Die Geschichte eines Mönches zeigt mir in Sachen Geduld eine neue Perspektive auf:
Ein Mönch entschließt sich dazu, einen abgestorbenen Baum im Garten zu gießen. Jeden Tag wendet er sich ihm zu, prüft, ob der Baum hat, was er zum Wachsen braucht. Er lockert die Erde auf und wenn es nötig ist, begießt er ihn. Lange Zeit macht sich der Mönch auf diese Weise zum Gespött für alle, die es besser wissen. Sie machen sich lustig über den frommen Dummkopf, der es nicht lassen kann, sein tägliches vergebliches Ritual an diesem sinnlosen Objekt zu vollziehen. Manchmal gewinnen sie sogar den Eindruck, als würde dieser weltfremde Spinner eine Art Zwiesprache mit dem toten Holz halten. Eines Tages beginnt der Baum erneut zu treiben. Leicht vorstellbar, dass sich die erstaunten Spötter kleinlaut zu fragen beginnen, was wohl alles zum Blühen gebracht werden könnte, wenn eine unermüdliche Langmut so etwas an einem abgestorbenen Baum bewirken kann…

Vermutlich hätte sich dieser Mönch hervorragend mit dem Apostel Paulus verstanden. Von dem ist der Ausspruch überliefert: „Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld.“ (Röm 8,25)

Eines ist klar: Geduld hilft uns dabei, einen guten Umgang mit dem Unabänderlichen zu finden. Denn wenn wir ständig hadern mit dem, was wir nicht ändern können, dann verschwenden wir nur unnötig Kraft, die wir woanders brauchen können.

Vielleicht hilft Ihnen das Bild des Mönches in den nächsten Tagen ein wenig, ihre „Geduldsmuskeln“ zu trainieren. Im Wort des Paulus schwingt für mich das Vertrauen mit, dass wir dabei nicht alleine sind, sondern von Gott begleitet und getragen. Denn Sein Versprechen an uns gilt: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28,20)

Bleiben Sie behütet! Ihre Pfarrerin Leonie Büchele

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